TAGE DER KARWOCHE




«Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch.» Was im Matthäusevangelium über Jesus und seine Jünger berichtet wird, können wir derzeit nicht. Auch wenn wir mitunter manchmal das Gefühl haben, es sei auch bei uns Abend geworden; Abend in unserer Gesellschaft, in unserer Gesundheit, in unserem Umgang miteinander, in unseren Kräften. Wir können diese Gemeinschaftsfeier derzeit nicht miteinander halten. Nicht so, wie wir es bis vor der Corona-Krise – man ist geneigt zu sagen – es gewohnt waren, zu tun: Das Zusammenkommen um den Tisch des Herrn zur Eucharistiefeier, zur Danksagung.

In Gemeinschaft zu feiern ist von Bedeutung. Gemeinschaft trägt. Sie tröstet und stärkt. Auch vertreibt sie das Alleinsein und steht keineswegs im Widerspruch zu Jesu Wort: «Wenn du betest, geh in deine Kammer und schliess die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.» Beides hat seine Bedeutung.

Am kommenden Donnerstag würde die Messe vom Letzten Abendmahl gefeiert werden. Wie dies in den einzelnen Pfarreien in diesem Jahr gelöst wird, ist eine andere Frage. Denn Gottesdienste im regulären Umfang sind nicht erlaubt. Es ist der Tag, den wir Gründonnerstag oder auch Hoher Donnerstag nennen. Paulus spricht in seinem ersten Korintherbrief: «Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.» Für viele Gläubige wird es eine schwierige Woche. Sie werden darauf verzichten müssen. Dies trifft auf die Tage der Karwoche zu wie auch auf das eigentliche Osterfest. Ostern – das Fest der Auferstehung. Die Gläubigen können nicht in gewohnter Art und Weise zur Kirche. In ihre Kirchenbank. Jenen Platz aufsuchen, den sie Jahrzehnte lang immer am selben Ort aufgesucht haben, den Blick nach vorn zum Altar, das Ohr offen für liturgische Texte und Gesang. Das Herz geöffnet im Gebet. Auch Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors wird diesmal an ungewohnter Stelle ein grossartiges Erlebnis fehlen. Etwas, das im Jahr nicht wiederholt werden kann. Die Erlebnisse der Karwoche, wie auch die österliche Liturgie selbst wird diesmal eine ganz andere sein. Zumindest nach aussen hin. Eine ruhige Sache. Eine stille, vielleicht gar einsame Angelegenheit. Was aber wird in uns sein? Was tun wir, damit Ostern wird? Noch ist nicht aller Tage Abend. Gut möglich, dass Jesu Rede vom Gebet in der Einsamkeit eine völlig neue Bedeutung erhält.

Guido I. Tomaschett Diakon

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